Walküre Gelände Bayreuth

Bebauungsstudie für Hauck Architektur

 

 

 

 

 

Hintergrund
Die Porzellanmanufaktur Walküre produzierte seit mehr als 120 Jahren hoch qualitative Fabrikate aus Porzellan und hatte sich über Fachkreise hinaus weltweit einen Namen gemacht. Bis zum Jahr 2020 als auf Grund der sich immer geringer gestaltender Umsätze letztendlich Insolvenz angemeldet wurde. Während die Fabrikation auf dem Firmengelände am Fuße des grünen Hügels vollständig eingestellt wurde, könnte die Marke selbst gerettet werden und so werden derzeit die Produkte in Lizenz von einem Hersteller aus Norddeutschland weiter produziert und vertrieben. Somit stellt sich die Frage, wie das Gelände nachgenutzt werden soll und ob dabei Teile der historischen Bausubstanz erhalten bleiben können.


Zielsetzungen
Im Rahmen einer ersten Machbarkeitsstudie soll nun geprüft werden, wie eine zukünftige Bebauung des Grundstückes aussehen könnte. Die Grundstücke 2762/4, 2762/5, 2762/9 2762/20, 2762/24, 2762/25, 2762/28 und 2763 bilden den zu bearbeitenden Umgriff. Sämtliche darauf befindlichen Bestandsbauten (auch die ehemaligen Produktionsstätten der Walküre Manufaktur) werden vom Auftraggeber als nicht erhaltenswert erachtet und sollen demnach abgebrochen werden. In Anbetracht der hochwertigen Lage des Areals in direkter Nachbarschaft des Festspielhauses am Fuße des Grünen Hügels sollen hochwertige Wohnungsbauten entstehen. Gebäudegröße und -anordnung sowie die Bebauungsdichte des Areals sollen dabei den genannten Zielsetzungen der Wirtschaftlichkeit und der Möglichkeit einer zukünftigen Veräußerung einzelner Gebäude oder Gebäudegruppen Rechnung tragen.


Grundstück
Das Walküre Gelände wird im Süden von der Gravenreuther Straße und im Norden bzw. Westen von der Tristanstraße mit kleinteiliger Einfamilienhausbebauung begrenzt. Im Osten befindet sich ein kleineres, ebenerdig bebautes Gewerbegebiet und der Ausläufer eines Wohngebietes mit drei- bis viergeschossiger Bebauung. Das am Fuße des Grünen Hügels liegende gut 20.000 Quadratmeter große Areal befindet sich im näheren Umfeld des weltbekannten Bayreuther Festspielhauses und dessen Parkanlagen. Es fällt von Nordosten nach Südwesten um etwa sechs Meter ab und hat damit eine optimale Ausrichtung zur Sonne. In Verbindung mit der westlich angrenzenden Gartenstadt hat das Gelände das Potential für ein neues Wohnviertel in Bestlage.


Städtebau
Bei dem vorliegende Bebauungsvorschlag werden unterschiedliche Wohnungsbautypen so gesetzt, dass im Zwischenraum ein größere Grünfläche, der Walküre Park entstehen kann. Die Längsseiten der Häuser sind durchgängig nach Südwesten ausgerichtet. Die Eingänge und die fußläufige Erschliessung der Gebäude erfolgt vom Nordosten aus. Auf Grund der unterschiedlichen städtischen Maßstäblichkeit werden die längeren Wohnungsbauten an der Gravenreuther Straße und die kleineren, von der Grundfläche her quadratischen Häuser an der Tristanstraße gesetzt. Um sich vom gewerblich genutzten Grundstück im Osten räumlich abzugrenzen und den zwischen den nördlich und südlich gesetzten Häusern ergebenden Grünraum einzufassen, wird ein langgezogener dritter Gebäude Typus auf dem Gelände eingeführt. Alle genannten Gebäude halten das auch im angrenzenden Wohngebiet eingeführte Höhenmaß ein und sind als dreigeschossige Baukörper mit zurückgesetztem Staffelgeschoss gestaltet. An der stadträumlich exponierten Situation Gravenreuther Straße Ecke Tristanstraße wird ein viergeschossiger Gewerbebau vorgeschlagen, der mit seinen Straßenraum begleitenden Wandflächen den Beginn der beiden Straßenfluchten einleitet und einen klar lesbaren Abschluss des Wohnquartiers setzt.


Funktion
Mit dem vorliegenden Bebauungsvorschlag können 127 Wohnungen in verschiedenen Lagen, Größen und Zuschnitten angeboten werden. Der längliche Gebäudetyp A beherbergt in der dargestellten Form im Erdgeschoss vier Vierzimmerwohnungen und in den beiden Obergeschossen jeweils vier Dreizimmerwohnungen und zwei Zweizimmerwohnungen. Im Staffelgeschoss werden zwei luxuriöse Penthäuser angeboten. Der quadratische Gebäudetyp B wird im Erdgeschoss und in den Obergeschossen jeweils mit zwei Dreizimmerwohnungen belegt. Zusätzlich bietet das Staffelgeschoss die Flächen für ein Penthaus. Alle Wohneinheiten erhalten dabei gleichermaßen Zugang zu Licht und Sonne und zu Außenwohnflächen. Ein Großteil der angebotenen Wohnungen sind durchgesteckt angelegt, sodass eine natürliche Belüftung und Belichtung ohne Weiteres möglich ist. Lediglich die kleineren Zweizimmerwohnungen sind einseitig nach Südwesten orientiert. Bäder und Duschen können bei einem Großteil der Wohnungen außen liegend angeboten werden. Die Untergeschosse der insgesamt zehn Gebäude werden mit den für die Erschliessung und den Betreib der Häuser notwendigen Tiefgaragen, Technikräumen und Lagerräumen belegt, wobei die einzelnen Tiefgaragen unterirdisch verbunden und über einige wenige Ein- und Ausfahrten erschlossen werden.


Außengestaltung
Für die Prägung des äußeren Erscheinungsbildes wird der Einsatz des Materials Klinker vorgeschlagen. Die damit möglichen Fassaden haben das Potential, an die historischen Werksgebäude der Porzellanfabrik und damit an die Geschichte des Ortes zu erinnern und entsprechen in Bezug auf Gestaltung und Nachhaltigkeit den gehobenen Erwartungen eines Wohnungsbaus in Bestlage. Während die Nordost Fassaden und die Flanken der Gebäude lediglich einzeln gesetzte, raumhohen Fensterelemente erhalten, werden die Südwestfassaden nahezu vollständig verglast. Dadurch können die den Gebäuden im Südwesten vorgelagerten Loggien sehr gut an die Wohnbereiche angebunden werden und die dort liegenden Wohnbereiche erhalten optimale Besonnung und großzügige Aussicht auf die Grünflächen. Unterstützt wird der Aspekt des Ausblicks durch den Einsatz von verglasten Brüstungen. Für die Ausführung der Fensterelementen werden hochwertig beschichtete Leichtmetallprofile mit Dreifach-Isolierverglasung empfohlen. Die Flachdächer der Staffelgeschosse werden extensiv begrünt. Die Flachdachbereiche im Anschluss an die Wohnungen der Penthäusern erhalten Terrassenbeläge aus riemenartigen Stahlbetonfertigteilen. Alle Beschläge, Griffe und anderen untergeordneten Bauteile aus Metall sollen sich optisch zurück halten, was durch eine Ausführung in vorpatiniertem Kupfer oder schwarz oxidiertem Edelstahl erreicht werden könnte.


Innenraumgestaltung
Decken und Wände der Innenräume treten in den Hintergrund durch hellen, monochrome Beschichtungen. Als Bodenbeläge werden langlebige, qualitativ hochwertige Materielaien eingesetzt. In diesem Sinne erhalten die Wohnbereiche versiegelte Parkettböden, die Nassräume Bodenbeläge aus großformatigen Feinsteinzeug Fliesen und die Verkehrsflächen in den Treppenhäusern und Aufzügen werden mit monochromen Kunststeinplatten ausgelegt. Die elektronischen Bedienungselemente sind im Farbton der Wände gewählt. Die Sanitär Ausstattung ist aus weißer Keramik, die Arbeitsplatten der Einbauküchen sind aus dunklem Kunststein gefertigt. Sämtliche Wohnflächen erhalten Fußbodenheizung. Lediglich die Treppenhäuser werden durch Radiatoren beheizt. Für die Beleuchtung von besonderen Wohnbereichen wie Küchen und Bäder sowie für die Verkehrsflächen wird die Beauftragung eines Lichtplaners empfohlen.