Wohnanlage am Hubland in Würzburg

Art: einstufiger Realisierungswettbewerb

Architekt: H2M Architekten & Stadtplaner GmbH
Freiflächenplanung: JOMA Landschaftsarchitektur
Visualisierung: 3D-Way

Tätigkeit: Konzept, Entwurf und Ausarbeitung

Platzierung: keine

 

 

Städtebau / Kontext

Die städtebauliche Setzung schafft durch die Reihung polygonaler Baukörper ein durchlässiges Gebäudeensemble, welches auf den vorhandenen Rahmenplan aufbaut. Der Straßenraum wird durch die nördlichen Fassaden gestärkt, während die Häuser sich nach Süden in unterschiedlichen Winkeln öffnen. Die besondere Qualität des Standorts mit seinem Blick zur südlichen angrenzenden Parkanlage wird somit für jedes Gebäude nutzbar. Trotz einer sehr guten Grundstücksausnutzung entsteht eine durchlässige Struktur der Baukörper, die Großzügigkeit und Offenheit ermöglicht, optimale Verbindung mit den umliegenden Grünräumen herstellt und eine gute Besonnung gewährleistet. Durch die gewählte Konzeption kann der städtebauliche Rahmenplan in nahezu idealer Weise abgebildet und eine angemessene Verdichtung für eine qualitätsvolle Wohnadresse erzeugt werden.

 

Gebäude / Konzept

Durch nach Westen gestaffelte Baukörper mit leicht abgerundeten Ecken werden sehr eigenständige, individuelle Häuser erzeugt. Die Baukörper haben eine äußerst klare innere Organisation. In Analogie einer Zwiebel schichten sich die verschiedenen Raumzonen vom Licht an der Außenfassade bis zum Kern im Innern. Es entstehen in der Regel 2- bis 3-seitig belichtete Wohnungen. Die Bebauung gewährleistet somit gleichermaßen Ordnung und gestalterische Abwechslung und erzeugt durch ihre Unverwechselbarkeit eine eigene Identität.

 

Wohnungen / Funktion

Innerhalb des einzelnen Hauses gruppieren sich um das mit Tageslicht durchflutete Treppenhaus sehr gut belichtete Wohnungen mit einer klaren Zonierung. Dabei liegen Bäder und Nebenräume im Kern und die  ohnnutzungen und Individualräume außen. Großer Wert wird auf private Freiräume gelegt, die im Erdgeschoss durch Loggien und Gärten, in den Obergeschossen durch großzügige Loggien und in den Penthouse-Ebenen durch Dachgärten erzeugt werden. Die Wohnungen erlauben optimale Belichtung und Durchblicke. Die Parkierung der PKW-, Fahrrad- und Motorrad-Stellplätze wird in der klar strukturierten Parkgarage, in der auch Nebenräume und Hausanschlussräume 15 untergebracht sind, organisiert. Die Zufahrt erfolgt im Norden. Möglich erscheint auch eine Tiefgaragenabfahrt zwischen Haus 3 und Haus 4, was im weiteren Verfahren im Hinblick auf den Baumschutz geprüft werden muss. Optional ist eine eigene Tiefgarage für das Haus 1 möglich.

 

Gestalt / Material

Eine zeitlose Fassade mit feinen Putzversätzen an den Geschoßübergängen und fließenden Übergangen der polygonalen Grundrissform erzeugt ein charakteristische sich in die Landschaft einfügende Silhouette. Damit wird der besonderen Lage des Standortes, der idealen Besonnung und Ausblicksituation entsprochen. Materialien wie durchgefärbter, veredelter Strukturputz mit massiven 3-fach verglasten Fenstern (Holz/Holz-Aluminium), dokumentieren den exklusiven, werthaltigen Anspruch. Auch im Innenraum prägen natürliche Materialien, wie Naturstein in den öffentlichen Bereichen und Bädern, sowie Echtholz-Parkett in den Wohnräumen, in Verbindung mit den großzügigen Fensterflächen das Bild von einem gleichermaßen klassischen wie zukunftweisenden Wohnungsbau. Alternativ zu den runden Formen in der Fassade ist auch eine eckig-kantige Ausbildung der polygonalen Grundform möglich.

 

Konstruktion / Struktur

Die Konstruktion ist gemäß Auslobung in Ziegelmassivbauweise vorgesehen und bietet damit eine zeitlose, nachhaltige Konstruktion mit optimaler Flexibilität. Die Tiefgarage ist als Stahlbetonskelettstruktur geplant. Die kompakten Baukörper ermöglichen eine wirtschaftliche Erstellung.

 

Außenanlagen / Gemeinschaft & Privatheit

Die charakteristische Form der neuen Gebäudekörper wird in den Freianlagen aufgenommen. Umflossen von einer Hainbuchenhecke, die öffentlich und privat trennt, stehen die Gebäude in einer Blumenwiese direkt am Landesgartenschaupark. Für Gebäude 2 bis 5 erfolgt die Erschließung abseitig vom Park im Norden über die zukünftige Wohnstraße. Hier teilen sich jeweils zwei Wohngebäude einen Zugangsbereich. Ein markanter Baum kennzeichnet die Zugänge und unterstützt die Adressbildung. An den Zugängen werden zusätzliche Fahrradstellplätze in den Freianlagen angeboten. Haus 1 wird vom zukünftigen Fuß- und Radweg (Nord-Süd-Richtung) erschlossen. Die Zufahrt zur Tiefgarage ist etwas nördlicher, am Beginn des Fuß- und Radweges gelegen. Nördlich Haus 1 lädt ein Kleinkinderspielplatz und Treffpunkt zum Verweilen ein. Weitere Spielplätze liegen zwischen den Gebäuden 2 und 3 und den Gebäuden 4 und 5. Zum südlichen Parkweg hin wird der vorhandene Höhenversprung durch eine Trockenmauer mit großzügigem Anlauf überwunden.

 

Gebäudetechnik / Energie

Das energetische Konzept setzt auf eine Minimierung der Energieverluste. Die Deckung des verbleibenden Bedarfs erfolgt durch die wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Nutzung der Fernwärme sowie die ergänzende Einbindung von regenerativen Energieerzeugern. Durch eine optimierte Kombination von architektonischen und haustechnischen Lösungen wird ein Gebäudekonzept umgesetzt, das den Standard des KfW-Effizienzhauses 55 erfüllt. Der Primärenergiekennwert soll demnach um 45% und der Transmissionswärmeverlust um 30% die geltenden Grenzwerte der EnEV2014 unterschreiten. Architektonisch wird diese Forderung durch sehr kompakte Baukörper mit gutem A/V-Verhältnis bei gleichzeitig guter Tageslichtversorgung erfüllt. Durch die Anordnung der Baukörper werden lange Besonnungszeiten erreicht und somit solare Wärmegewinne erzielt. Die hocheffiziente Gebäudehülle wird nahezu wärmebrückenfrei ausgeführt und die Fenster mit Dreifach-Isolierverglasung ausgestattet. Ein hochwirksamer, außenliegender beweglicher Sonnenschutz für die besonnten Fassaden sorgt für eine nutzerunabhängige, effiziente Reduzierung der solaren Lasten im Sommer. Über eine Fernwärmeübergabestation wird Wärme direkt in das Wärmeverteilungssystem des Gebäudes übergeben. Zur weiteren Senkung des Primärenergiekennwertes könnte eine solarthermische Anlage auf den Dächern der viergeschossigen Gebäude eingebunden werden. Die hierbei eingesetzten Pufferspeicher dienen neben der Speicherung der Solarenergie zur Deckung des Spitzenbedarfes bei der Trinkwasserversorgung des Gebäudes sowie einer Minimierung der benötigten Wärmeanschlussleistung der Fernwärme. Die hohen Vorlauftemperaturen der Fernwärmeversorgung - oder auch der Solarkollektoren in Vakuumtechnik - ermöglichen den Einsatz von Absorptions- oder Adsorptionskälteanlagen. Die zum Betrieb der Absorptionskältemaschinen erforderliche Hilfsenergie könnte durch Photovoltaikanlagen auf den Dächern erzeugt werden. Grundsätzlich wird die Speichermasse des Gebäudes an die Raumluft angekoppelt und in Verbindung mit Nachtlüftung der Räume durch ein mechanisches Lüftungssystem ein wirksames passives Element zur Optimierung der Behaglichkeit eingesetzt. Durch ein Niedrigtemperatur-Flächenheizsystem, das auch als Kühlsysteme genutzt werden kann, wird neben einem hohen Komfort eine sehr hohe Behaglichkeit erreicht.